Letzten Mittwoch wurde im Gothaer Stadtrat mit 19 zu 12 Stimmen beschlossen, der Saller Bau Gmbh das Baurecht für ein Einkaufszentrum in der Gartenstraße einzuräumen.

Im Vorfeld war eine Diskussion aufgekommen. Immerhin! Es wurden zwei Gutachten angefertigt, die zu unterschiedlichen und sich teilweise widersprechenden Ergebnissen kommen. Aus der SPD Fraktion wurde deshalb eine Anfrage in Form eines Fragenkatalogs vorgelegt, der versuchte die Widersprüche aufzuklären. Diese Fragen richteten sich unter anderem an die Stadtplanung der Stadt Gotha. Herr Adlich bewies in seinen Antworten mehrfach grobe Inkompetenz. Er sah sich und die Stadtplanung außerstande die zwei Gutachten vergleichend zu werten und überging mehrfach explizit die an ihn gestellten Fragen.

Eine Frage welche sich hier unweigerlich stellt, ist warum wir eine Stadtplanung benötigen, wenn diese öffentlich mit Inkompetenz prahlt?

Letztendlich gipfelte der in sich widersprüchliche und auf einer äußerst fragwürdigen Argumentation aufbauende Vortrag des Stadtplaners Adlich, in dem hier sinngemäß wiedergegebenen Satz: „Demokratie bedeutet auch Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren.“ Man kann sich fragen, warum Herr Adlich es als notwendig erachtet, diese Binsenweisheit unter seinen Namen zu stellen.

Aber nicht nur die Stadtplanung glänzte an diesem Abend mit Peinlichkeiten, nein auch die CDU-Fraktion. Ihre Sprecherin Kerstin Götze-Eismann, welche wohl darauf hofft Bürgermeister zu werden, bemühte Fußballvergleiche. Der Glitzerpalast sei ein Elfmeter, und man müsse den Ball nehmen. Warum stimmt die CDU mehrheitlich mit der SPD? Der vermutete Deal: unterwürfige CDU-Fraktion, gegen den Posten der Ersten Beigeordneten, sprich Bürgermeister(in) zu liefern, mag da als mögliche Erklärung dienen.

Es gab auch Positives in der Stadtratssitzung. Mathias Baier erarbeitete vorab einen Katalog mit 23 teils kritischen Anfragen und trug diesen vor, wofür wir Ihm danken und unseren Respekt zollen.

Der zweite Lichtblick war der Antrag der FWG, durch die Fraktionsvorsitzende Bärbel Schreyer, beide Gutachten vorab zu vergleichen, auszuwerten und die Unklarheiten infolge auszuräumen. Vordergründig sollten alternative Konzepte zur Innenstadtbelebung geprüft werden, wozu ein Angebot der Bauhaus Universität, vermittelt vom Architekturbüro Grosskopf, bereits vorlag. Der Antrag wurde 13 zu 16 Stimmen abgelehnt.

Und wenn wir heute die Geschehnisse rekapitulieren, haben wir zwei Gutachten, welche in ihren Aussagen zur Investitionsgröße und Sortimentsvielfalt nicht unterschiedlicher sein könnten. Die Mehrheit der Stadträte verzichtet großzügig auf das von der Bauhausuniversität in Aussicht gestellte Gratisgutachten zur Verträglichkeit des Saller-Baus. Dabei wäre diese dritte und entscheidende Untersuchung vollkommen unabhängig und neutral gewesen – wenn man berücksichtigt, dass sowohl Projekt und Verträglichkeitsanalyse der GMA und das Verkehrskonzept des Architekturbüros Hunger, aus dem Budget der Firma Saller bezahlt wurden. Wessen Brot ich ess’…

Fakt ist, dass die Stadtverwaltung zugunsten der Altstadt-Galerie bewusste Kollateralschäden in den innerstädtischen Gewerbestrukturen kalkuliert und das prognostizierte Mehreinnahmen durch Gewerbesteuern, von Geschäftspleiten und Arbeitslosigkeit begleitet werden. Doch der sich über die gewachsene Altstadt ausbreitende Leerstand ist nur der Beginn des drohenden Verfalls der innerstädtischen mittelalterlichen Baustrukturen. Worauf will das viel gepriesene barocke Universum als angeblich weltbekannte touristische Attraktion denn dann noch setzen?

Was denkst du?